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  Olperer  
     
 

                       Touren von der Olpererhütte

 

Nachdem die geplante Tour auf den Großglockner buchstäblich in Wasser gefallen war (man hätte raufschwimmen können, so schlecht war das Wetter), hatten wir mit der Hochtour auf den 3476m hohen Olperer mehr Glück, denn wir hatten nun doch eines der seltenen Schönwetterfenster in diesem Sommer erwischt. Am Freitag sind wir (Ernst, Jonas - alias Paule, Stefan, Thomas, Wolfgang und - last, but not least - Fachübungsleiter Ludwig) in Fahrgemeinschaften zum Schlegeisspeicher gefahren und zur Olpererhütte aufgestiegen. Samstags gings dann frühmorgens raus, vor uns lag eine lange und spannende Tour, für Ernst und Paule auch der erste Kontakt mit Gletschereis und den zu seiner Bezwingung erforderlichen Gerätschaften. Um es gleich vorweg zu nehmen: die beiden haben sich wacker geschlagen. Zunächst führte uns der Weg über mehrere Schneefelder in Richtung des Hintertuxer Gletschers, der einen ganz schön abgekratzten Eindruck machte, im wahrsten Sinne des Wortes, denn mit Pistenraupen wird jedes auf dem Gletscher verfügbare Körnchen Schnee zusammengeschabt, um damit im Sommer ein paar Quadratmeter Schipiste zu präparieren.

Am Rand des Gletschers stiegen wir dann - im Gänsemarsch, da schön brav angeseilt - bis zur Wildlahnerscharte auf. Dort wartete auch schon die erste Herausforderung auf uns, denn der Einstieg zum Nordgrat (Wildlahnergrat) befindet sich in 80m Höhe, am Ende eines 40� steilen Firnhanges. Wir stapften ihn problemlos hinauf. Dann kam endlich der Nordgrat, der mit den als �Gänsefüße� bezeichneten Eisenklammern ausgezeichnete Sicherungsmöglichkeiten bot. Wir erkletterten ihn teils frei, teils angeseilt und erreichten schließlich den Gipfel. Nach der heiß ersehnten Brotzeit in merklich dünner Luft machten wir uns dann an den Abstieg über den Normalweg (Südostgrat/Schneegupfgrat). Das auf dem Rückweg liegende etwas längere Schneefeld wurde von den besonders Mutigen kurzerhand zur Rutschbahn umfunktioniert und mit Bordmitteln (Hosenboden) bezwungen. Nach einem leckeren Apfelstrudel auf der Hütte probierten wir noch den kleinen Klettergarten aus, den die Wirtsleute in der Nähe angelegt haben. Mit den letzten Strahlen der Sonne kehrten wir zur Olperhütte zurück, in der dann am Abend der Bär los war: Eine Gruppe junger zillertaler Ureinwohner feierte auf der Hütte ein fröhliches Geburtstagsfest mit Ziehharmonika, Gitarre und Tanz. Um 10 Uhr war dann aber trotzdem wirkliche Hüttenruhe.

 

Der Fußstein (3380m) ist �wegen seines festen Granitgesteins ein bedeutender Kletterberg�. Das kann man in Wikipedia lesen. Wir wollten am Sonntag da rauf. Es sollte eine unvollendete Besteigung werden, denn die �Bedeutung als Kletterberg� erschloß sich uns leider nicht, auch gelang es uns nicht, das �feste Granitgestein� zu finden. Zuerst ging es vorbei am Riepenkopf, eine halbe Ewigkeit durch Blockgelände, das mal mehr und mal weniger brüchig war, und hinunter zum Fuß eines Gletschers, den es dann hochzusteigen galt. Da es in diesem Sommer ordentlich geschneit hatte, war kein Blankeis vorhanden und wir kamen gut voran. Am oberen Ende des Gletschers angekommen, fanden wir wieder nur brüchigen Fels vor und beschlossen bald darauf entnervt den Abbruch der Tour, zumal es bereits Mittag geworden war. Wir vergnügten uns kurz mit Abseilspielereien an einer überhängenden Eiswand im Bereich der Randkluft und dem Überqueren (bzw. Überspringen - toll gemacht, Michael :) einer ziemlich breiten offenen Spalte, bevor wir uns auf den Rückweg machten. Es ging den gleichen Weg hinunter, den wir heraufgekommen waren.

 

Dabei zeigte es sich alsbald, wie wichtig es ist, sich auch auf einem völlig harmlos anmutenden Gletscher anzuseilen, besonders dann, wenn nicht der geringste Anschein einer Spalte zu sehen ist: Urplötzlich versank einer von uns, den Fußstapfen seines Vorgängers folgend, mit einem Bein in bodenloser Tiefe, brach glücklicherweise nicht komplett in die zugeschneite Gletscherspalte ein und konnte sich aus eigener Kraft mit einem beherzten Sprung nach Vorne aus der Gefahrenzone retten. Jedoch rutschte er den Steilhang hinunter, bis ihn das von den Kameraden gehaltene Seil stoppte. Es verblieben ein schwarzes Loch im Firn und für uns die beruhigende Erfahrung, daß ein zuvor absolvierter Eiskurs eine gute Investition ist, da wir dort gelernt haben, wie man sich in dieser Situation verhalten muß.

 

Über das bereits zur Genüge bekannte Blockgelände ging es wieder zurück zu Olpererhütte. Dort verdrückten wir ein beschleunigtes Bergsteigeressen (für uns wie immer sonntags: Leberkäse), und dann war dieses erlebnisreiche Bergwochenende auch schon fast vorbei: Es dämmerte bereits und wir mußten uns schleunigst auf den Heimweg machen.

 

Wolfgang Schechinger

 

 
     
 
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